Biodanza

 

Biodanza – Tanz des Lebens

Auf den Spuren von Lebensfreude, Lebensmut und der Liebe zu sich selbst.

Biodanza ist für mich zu einer Lebensphilosophie geworden. Es ist zu einem Zeitpunkt in mein Leben getreten, als sich der Boden unter meinen Füßen gerade auf Urlaub befand. Nachdem ich mit Biodanza begonnen habe, konnte ich den Boden nach und nach wieder spüren und ein vertrauensvolles JA zum Leben in mir fühlen. Das motivierte mich zu der dreijährigen, unglaublich bereichernden Ausbildung zur Biodanzaermöglicherin.

Biodanza arbeitet ausschließlich mit harmonisierenden Erlebnissen. In Übungen, in denen es kein Richtig oder Falsch gibt, machen wir uns, begleitet von Musik, auf die Suche nach unseren verborgenen Potenzialen und Wünschen, beginnen diese freizulegen und laden sie in unser Leben ein. Besonderes Augenmerk legen wir dabei auf die Flamme der Lebensfreude, wir achten darauf, ihr genügend Sauerstoff zuzuführen, so dass ein richtig schönes Freudenfeuer in uns entstehen kann. Wir schaffen die  Möglichkeit, neue Wege zu erkennen und diese auch Schritt für Schritt zu gehen.  Biodanza ist vor allem auch Begegnung auf Augenhöhe und auf der Ebene des Herzens und es ist ein Prozess, der uns lehrt, dass es für Veränderung NIE zu spät ist.

Ich für mich merke, wie Biodanza mir dabei hilft, mich klarer auszudrücken, meine eigenen Grenzen nicht nur wahrzunehmen, sondern auch zu kommunizieren und es hat mich mit Sicherheit mir selbst und anderen gegenüber achtsamer gemacht. Es ist für mich ein Weg, der es mir ermöglicht, immer mehr zu mir selbst zu finden und das fühlt sich sehr, sehr gut an.

Biodanza ist außerdem eine großartige Burnout Vorbeugung, aber aus Erfahrung kann ich sagen, auch wenn man es versäumt hat, rechtzeitig die Bremse zu ziehen, es gibt einen Weg heraus aus der Spirale und Biodanza ist ein wunderbares Begleitinstrument dafür.

Biodanza wurde in den sechziger Jahren von Rolando Toro, Professor für anthropologische Medizin, Psychologe, Therapeut, Künstler, in Santiago de Chile entwickelt mit der Absicht, psychisch Erkrankten zu helfen, die Psychiatrie der damaligen Zeit menschlicher zu gestalten. Er beobachtet, dass sich Menschen, sobald sie Musik hören, in ihrem Verhalten positiv verändern, und dass sich die Therapieerfolge verbessern, wenn Gefühle mit Rhythmus verbunden werden. Später erkennt er den allgemeinen Nutzen von Biodanza, der über den ursprünglich psychiatrischen Kontext hinaus geht, und entwickelt im Laufe der Zeit ein enorm komplexes, äußerst durchdachtes Modell, um die Wirkung von Biodanza für die Menschen zu optimieren. Er verbindet uraltes Wissen über die Heil- und Ausdruckskraft des Tanzes mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen, arbeitet lange Zeit mit KrebspatientInnen und gründet 1979 in Brasilien das erste Institut für Biodanza. Von dort aus findet es Verbreitung in ganz Europa, Mittel- und Nordamerika und in Teilen Afrikas. Biodanza wird im Rahmen von Dissertations- bzw. Habilitationsprojekten untersucht, die Ergebnisse belegen unter anderem eine signifikante Verbesserung des Emotionsausdrucks in sozialen Situationen, verringerte Ängste in Begegnungen, eine erhöhte Fähigkeit sich abzugrenzen, und sogar eine antidepressive Wirkung kann nachgewiesen werden. Auffällig ist auch die Tatsache, dass Menschen, die Biodanza praktizieren, genussfähiger sind und psychosomatische Beschwerden bei ihnen deutlich abnehmen.

Ziel von Biodanza ist es, harmonisierende Erlebnisse zu erschaffen, einen freudigen Zugang zum Leben zu finden, Talente und Stärken zu fördern, statt sich auf Schwächen zu konzentrieren, wie es in unserer Gesellschaft so oft passiert, nicht nach Musik zu tanzen, sondern Musik zu sein, zu versuchen, alte Muster aufzubrechen, indem man aus alten Bewegungsmustern ausbricht und sich dadurch selbst plötzlich ganz anders erfährt. Zu erkennen, dass Veränderung möglich ist und zwar zu jedem Zeitpunkt.

Den Raum dafür bietet eine sogenannte Vivencia, was übersetzt das Erlebnis bedeutet. Die Vivencia hat in der Regel ein Thema, sehr oft geht es dabei um Vertrauen, Liebe, Loslassen können, das innere Kind, Ängste, Eros, Freude, kurz gesagt um Themen, die uns alle berühren. Sie hat eine klare Struktur, einen fixen Ablauf. Nach einer Anfangsrunde, in der die TeilnehmerInnen die Möglichkeit haben, sich vorzustellen und kurz zu sagen, was sie im Moment berührt, wird nicht mehr gesprochen. Das ist ein sehr wichtiger Aspekt von Biodanza. Man ist dadurch vollkommen im Erleben, Begegnungen finden über die Augen, über die Hände, über das Herz statt, sind bedingungslos und von Achtsamkeit getragen, die eigenen Grenzen müssen gesteckt und die Grenzen der anderen respektiert werden. Ein herausfordernder Lernprozess. Nein sagen lernen, um ein Ja sagen zu können.

Es sind nährende, bereichernde, berührende Begegnungen mit anderen, zu zweit, zu dritt, in der Gruppe und mit sich selbst. Sie finden auf Ebenen statt, die durch verbale Kommunikation nicht zu erreichen sind. Es ist ein wunderschönes Gefühl zu geben ohne eine Bedingung, die dahinter steht, ohne Absicht, einfach so, um des Gebens willen. Und es ist sehr bereichernd, zu bekommen, sein Herz dafür zu öffnen, annehmen zu lernen.

Die einzelnen Übungen, die von der Gruppenleiterin oder dem Gruppenleiter mit der Aufforderung, sie mit dem eigenen Ausdruck, dem eigenen Gefühl, mit dem, was sich gerade zeigen will, nachzumachen, vorgezeigt werden, sind in ihrer Abfolge aufeinander abgestimmt, beginnen dynamisch, gehen über in einen ruhigen Teil, um am Ende wieder lebendiger zu werden. In der aktiven Phase erlebt man sich eher im Außen, spürt sich in Aktion, erfährt seine eigene Kraft, Vitalität, Lebensfreude, die in jedem von uns steckt, manchmal vielleicht etwas vergraben, aber immer bereit, sich freilegen zu lassen, ihre Energie zu entfalten. In der ruhigen Phase ist es ein in sich Hineinhören, sich spüren mit dem, was da ist, sich ausruhen, entspannen, um das gerade Erlebte in sich zu integrieren. Es entsteht eine tiefe Verbindung mit Menschen, von denen man in der Regel sehr wenig weiß, es ist auch nicht wichtig zu wissen, es ist wichtig zu spüren, den anderen zu sehen, wahrzunehmen und wahrgenommen zu werden.

Biodanza ist das, was im Außen, in dieser oft sehr kalten, unfreundlichen, unruhigen, stressbelasteten Welt fehlt, in der sich Menschen nicht beachten, Augenkontakt als unangenehm empfunden wird. Die Musik wird genauestens im Hinblick auf ihre Wirkung ausgesucht und vermittelt häufig das Gefühl, dass jede einzelne Zelle im Körper tanzt, ist manchmal mitreißend, oft berührend, immer bewegend, wunderschön. Biodanza stärkt die Liebesfähigkeit, den Selbstwert, das Selbstbild, den Selbstausdruck, die Selbstliebe, es ist einfach ein wunderbarer Weg, zu sich selbst zu finden. Das Kunststück ist, sich darauf einzulassen, loszulassen, einzutauchen. Es ist ein Wagnis, man wird tausendfach dafür belohnt. Biodanza ist ein Prozess, es braucht Wiederholung, es braucht Zeit. Ich selbst gehe jede Woche hin, manchmal mit dem Gefühl, dass mich nichts und niemand aus meinem Sumpf holen kann, doch es verfehlt seine Wirkung nie.

Ich gehe jedes Mal und zwar wirklich jedes Mal bereichert, berührt, gestärkt, erfüllt mit Lebensenergie nach Hause. Manche Dinge werden sich schnell verändern, manche brauchen lange. Jahrelang eingeübte Verhaltensmuster werden in der Regel nicht von einem Tag auf den anderen aufbrechen, aber manchmal passiert sogar das. Mir fällt sehr oft auf, dass es Menschen in dieser Hinsicht an Geduld fehlt, nicht nur bei Biodanza. Es ist einfach unrealistisch, zu erwarten, dass es eine Methode gibt, die mein über Jahrzehnte gelebtes zerstörerisches Verhalten mir selbst, meinem Körper gegenüber, mit einer einzigen Sitzung, mit einer einzigen Behandlung ungeschehen macht. Dieses Pflaster gibt es nicht. Jahrelange Lieblosigkeit zu sich selbst, muss vorerst erkannt, ins Bewusstsein gebracht und angenommen werden, um dann liebevoll daran arbeiten zu können, den Veränderungsprozess in Gang zu bringen. Biodanza ist ein fabelhaftes Begleitinstrument dafür.

Tanz des Lebens – Biodanza